Ich bin nicht beweglich - also kann ich kein Yoga machen...

Das ist eines der häufigsten Dinge, die ich höre, wenn es darum geht, warum jemand angeblich kein Yoga machen kann. Oft von Männern.

Aber ist das nicht ein wenig wie Sprachunterricht?

Was wäre wenn uns jemand erklärt, er könne nicht in den Italienisch-Unterricht kommen weil er ja kein Italienisch kann. Wir würden ihn oder sie wohl mit etwas schräg gelegtem Kopf anschauen und uns über diese Aussage wundern. Ist es nicht Sinn und Zweck eben dieses Italienisch-Unterrichts, dass man Italienisch lernt? Könnte man es schon, müsste man ja nicht hingehen. Oder?

Vielleicht steckt etwas Unsicherheit dahinter, ob man dem Unterricht folgen kann, oder die Angst, dass man sich lächerlich macht, vielleicht ist es ein Vorurteil, dass man über Yoga oder das jeweilige Training hat. Oft ist es eine Frauen-Domäne und als Mann fühlt man sich in einem überwiegend von Frauen besuchten Studio oder mit sehr weiblich oder esoterisch angehauchten Ambiente fehl am Platz.

Was tut man also wenn man sich etwas unsicher fühlt, ob man dem Unterricht gewachsen ist?

Eine Möglichkeit - Kontakt mit dem Trainer oder Lehrer aufnehmen und sie oder ihn fragen, was einen genau erwartet. Welche Altersstufen ins Training kommen oder für welches Fitnesslevel es geeignet ist. Ob es eine Einsteigerklasse gibt und ob man mit Vorerkrankungen kommen kann oder was man beachten sollte. Auch hilft es zu wissen, welche Kleidung praktisch ist, oder falls es eine Art ungeschriebenen Regel zum "Dresscode" gibt und man vor Ort vielleicht tatsächlich heraussticht wie ein "bunter Hund".

Eine andere Möglichkeit ist es, ein Probetraining zu vereinbaren. Diese gibt es teilweise sogar gratis. Ich denke, man muss am eigenen Körper spüren, ob die Art Bewegungen, die dort geübt werden, gut tun oder eben nicht.

In meiner einer eigenen Praxis und bei vielen meiner Schüler habe ich über die Jahre gesehen, wie sich selbst steife Rücken wieder besser bewegen können, alltägliche Schmerzen langsam verschwinden bei regelmässigen Üben, oder sich der Schlaf und das Stresslevel verbessert.

Oft braucht es zu Beginn aber vor allem eines - Geduld.

Gerade wenn man über 60 anfängt oder wie ein paar meiner ältesten Neueinsteiger über 70 oder sogar 80. Manches geht anfangs womöglich sehr schwer, mit Schmerzen oder nur wenig und es braucht regelmässige kleine Trainingseinheiten um den Körper aufzulockern und das Bindegewebe, die Knochen und Muskeln an neue Reize zu gewöhnen. Und auch nach Operationen kann es manchmal etwas länger dauern bis alles wieder so funktioniert wie man es gewohnt ist - oder in neuer Art und Weise.

Die Vorteile des Trainings überwiegen meist die Nachteile des anfänglichen Unwohlseins oder Fehl-am-Platz-Gefühls und es können sogar Werte wieder besser werden: Ich habe dies mit einer Schülerin mit Osteoporose erlebt, deren Knochendichte durch regelmässiges Üben und ihre Medikamente zum Aufhalten des Knochenschwunds sogar an Knochendichte zunahm. Mir war nicht bewusst, dass dies so möglich ist. Ich dachte, man kann es nur anhalten.

Und es hat sogar einen Vorteil nicht so beweglich zu sein wenn man mit dem Yoga beginnt - man verletzt sich nicht so leicht!

Es wird nicht so gerne darüber geredet, aber Yoga kann gefährlich sein und bei falscher Durchführung Verletzungen verursachen. Angerissene Hamstrings oder ähnliches sind in manchen Kreisen schon fast "normal".

Tatsächlich kann das falsche Yoga für eine Person Schaden verursachen z.B. eine Person, die sehr beweglich ist und Gelenke überdehnen kann, wäre im Yin Yoga eher schlecht aufgehoben, da dort Positionen lange gehalten werden - wenn man dort zu sehr entspannt, können Gelenke Schaden nehmen.

Im Umkehrschluss wäre Yin Yoga für eine sich als eher "steiff" bezeichnende Person sehr sicher, da sie gar nicht so stark loslassen und in einem Gelenk "hängen" kann.

Die richtige Mischung oder der richtige Stil machts!

Ist man etwas weniger beweglich heisst das also nicht, dass man für Yoga ungeeignet ist, es braucht nur das geeignete Yoga für den jeweiligen Körper und Zustand.

 Buchempfehlung:

  • Deutschland hat Rücken (Liebscher und Bracht)
  • The Science of Yoga (William J. Broad)
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